Damit sie sich auch morgen noch kraftvoll zuscheißen können

Werbung ist eine er schlimmsten Geißeln der Menschheit. Werbung nervt, Werbung schmerzt. Der Werbung fallen jedes Jahr mehr Menschen zum Opfer als Aids, Ebola und Durchfall zusammen. In ihrer schlimmsten Form tritt die Werbung im Internet auf. Sie pappt die Fenster zu, blökt bei Seitenaufruf und bremst den Browser. Internetwerbung senkt nachweislich den IQ des Rezipienten und hebt das Herzinfarktrisiko. Zusammenhänge zwischen dem verregneten Sommer und der Internetwerbung konnten nicht zweifelsfrei bewiesen werden, liegen aber nahe. Ein vormals friedlich schlummernder Vulkan in Island wurde wieder aktiv, nachdem sich ein auf ihm hockender Geologe durch einen Wust aus Pop-Up-Fenstern wühlte. Hier ist das Vorhandensein einer Verknüpfung überdeutlich. Die Götter des Vulkans sind nicht an den Angeboten des Klingelkataloges interessiert. Doch auch wir Menschen wehren uns. Ad-Blocker, Internetabstinenz oder gezielte Schläge gegen den Bildschirm sind probate Mittel die Werbeflut einzudämmen. Aufhalten können wir sie nicht.

Früher, in der glorreichen, guten alten Zeit vor dem Internet, da gab es die Werbung nur im Privatfernsehen. Wir alle haben ferngesehen, Filme, Serien und Samstagabendunterhaltungssendungen. Und wie haben wir geflucht über die Werbeunterbrechungen, die unsere VHS-Aufzeichnungen versauten. Während des Webeblocks um- und zu spät wieder zurückschalten. Oder noch besser, zurückschalten, Werbung zu Ende gucken und feststellen, dass man einen Werbeblock auf einem falschen Sender weitergeguckt hat. Jedes Wochenende war voll von persönlichen Rückschlägen und Katastrophen. Heute guckt niemand mehr Privatfernsehen, denn der Herr hat uns Video on demand geschenkt. Nun gucken wir auf unsere Computerbildschirme, Tablets und Smartphones und regen uns darüber auf, dass neben dem niedrigen Niveau der Inhalte auch die Werbung aus dem TV ins Internet migriert ist. Bei Crom, es wird Zeit, dass wir uns emanzipieren und vom Joch der Werbung befreien! Der / die Leser_in möge nun das Fenster öffnen und Smartphone, Tablet sowie PC-Monitor hinaus auf die Straße werfen, schön nach Größe gestaffelt. Dazu schreie er / sie: „Uaah, du hast keine Macht über mich!“ Tun sie dies bitte in dem Bewusstsein, dass für etwaige Sach- und Personenschäden nur sie selbst, nicht der Autor, nicht das Privatfernsehen und auch nicht Adblock haften. Wenn sie später gerädert und zerschlagen auf der Polizeiwache wieder zu Bewusstsein kommen, in den Verhörraum geschleift und zu Kaffee und Zigaretten genötigt werden, geben sie bitte ruhig und gefasst zu Protokoll: „Es liegt nicht an mir, es liegt am Internet.“

Übers Wetter reden

Die sozialen Netzwerke sind eine Bereicherung für unser Leben. Sie helfen uns den Kontakt zu unseren Lieben zu halten, auch über große Distanzen hinweg. Sie versorgen uns mit Informationen abseits der klassischen Massenmedien und verleihen mitunter jenen eine Stimme, die Opfer von Unterdrückung sind. Zudem helfen sie unseren Alltag zu strukturieren, durch Terminplaner und Veranstaltungseinladungsmechanismen. Darüber hinaus finden wir in ihnen Zerstreuungsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Spiele, Prominentenseiten und lustige Kätzchenbilder sind nur ein Auszug aus dem reichhaltigen Angebot, das Facebook, Twitter und Konsorten für uns bereithalten. Ich mag soziale Netzwerke.


Klar ist, dass nun der Teil folgt, in dem ich erkläre, was ich nicht mag. Also halte ich mich nicht mit einführenden Worten auf, sondern adressiere direkt jene, die sich in meinen geliebten Netzwerken über das Wetter ereifern. Sommer zu kalt / heiß / trocken / feucht, Winter zu hart / lasch / weiß, Herbst und Frühling zu normal / durchschnittlich / bananarama. Es gibt Leute die jede Form des Wetters als persönliche Beleidigung auffassen. Ob es sich bei diesen Menschen um Egozentriker, Solipsisten oder ganz normale Wichtigtuer handelt, vermag ich nicht zweifelsfrei zu sagen. Doch auch ich kann mich nicht vollständig von dieser verqueren Denkweise freisprechen. So tweetete ich an dem verregneten Morgen des 26.08.2014:

„Gut, dann fahre ich eben auf einem Boot zur Arbeit.“

Sehr lustig und hintergründig, wie ich finde. Zwar im weiteren Sinne ebenfalls Wettermoserei, ist mein Tweet aber weit von der Pauschalverurteilung unangenehmer Witterungsphänomene entfernt, die mancher durch die sozialen Netzwerke feuert. Selbstverständlich mag auch ich einen lauen Sommerabend lieber als Dauerregen oder Blizzards im Juli. Aber sich mit den widrigen Umständen zu arrangieren kostet weniger Energie als sich diesbezüglich zu erregen. „Weniger Wetterschelte, mehr Kreativität und Spontaneität in der Tagesplanung“ ist eine selten gehörte Forderung. Ich werde sie umgehend twittern, vielleicht rufe ich so eine Massenbewegung ins Leben. Bei lediglich 33 Followern ist das zwar unwahrscheinlich, aber man wird ja noch träumen dürfen. Jetzt gilt es ein angemessenes Hash-Tag zu wählen. #wettermosereiunterstrafestellen ist zu lang und sendet die falsche Botschaft. #wettermyass ist knapp aber zu vulgär. #wettergate ist lustig und mal wieder eine ziemlich pfiffige Idee von mir, aber erinnert zu sehr an den unsäglichen #gamergate-Blödsinn, also ebenfalls ungeeignet. Dementsprechend ist #allewetter mein Favorit. Ein kurzer, klassischer Ausspruch, schlank und einprägsam. Ich werde den Tweet jetzt absetzen und bitte um Retweets und fleißige Verwendung des Hash-Tags #allewetter. Da die Reichweite meines Blogs noch geringer als die meines Twitter-Accounts ist, rechne ich mir auch hier nicht die besten Chancen zum ins Leben rufen einer Massenbewegung aus. Doch wie gesagt, ein Versuch ist es wert. Ausdrücklich distanzieren möchte ich mich schon jetzt vor Diffamierungen und tätlichen Angriffen auf die Wettermoserer. Auch wenn der Impuls solche Handlungen zu vollführen nachvollziehbar ist, bitte ich ausdrücklich darauf zu verzichten. Wir wollen eine friedfertige Bewegung ins Leben rufen und die Menschen sanft dazu animieren sich mit den hiesigen Witterungsverhältnissen zu befrieden. Auf dass sie auch ein nicht nach ihrem Gusto verlaufender Sommer nicht allzu sehr auf die Palme bringt. Wer nach Zielen für seine Aggression sucht, sollte diese weder im Bereich der Naturphänomene suchen, noch in den Reihen der Gegner derselben. Vor dem Hintergrund der vorläufigen Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen fallen mir auf Anhieb verschiedene Parteien und Personengruppen ein, die unseren Groll deutlich mehr verdient haben. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Good night and good luck.

Expendababies

Heute Abend gucke ich mir „The Expendables 3“ im Kino an. Auf Deutsch, obwohl ich O-Ton-Fetischist bin. In meiner Stadt werden nur wenige Filme im Original aufgeführt, Ex3 gehört leider nicht dazu. Das ist schade, aber vermutlich nicht das einzige Problem an diesem Abend.


Ein wenig freue mich auf den Kinobesuch. Einerseits, da mich ein guter Kumpel begleitet, den ich nur selten treffe. Andererseits, da ich ein großer Fan Schwarzeneggers, Stallones und des Action-Kinos der 80er bin. Gleichzeitig bin ich skeptisch. Die ersten Teile waren unterhaltsam, aber bis auf die Besetzung in keiner Hinsicht bemerkenswert. Der Unterhaltungswert ergab sich für mich in erster Linie aus der Mischung aus dem Wiedersehen mit den Helden meiner Kindheit, den vereinzelt gelungenen Onelinern und nicht zuletzt aus dem stattlichen Gewaltgrad. Dieser ist nun für den aktuellen Teil erheblich gemindert worden, dementsprechend erhielt er eine PG13- bzw. FSK 16-Freigabe. Diese Nachricht hat nicht nur meiner Vorfreude einen Dämpfer verpasst, die Foren sind voll von Unmutsäußerungen. Die Entscheidung den Film familienfreundlicher zu gestalten ist nachvollziehbar, der Kreis des potentiellen Publikums erweitert sich dadurch signifikant. Funktionieren kann es allerdings nicht. Welcher Jugendliche guckt sich schon alte Männer und ein paar Unbekannte an, die sich gegenseitig erschießen bzw. nicht erschießen? Keiner. BAM.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, der Film ist am Startwochenende gefloppt. Wer etwas anderes erwartet hat, nun ja, der hat sich ordentlich vertan. Das Franchise ist tot, wenn es denn je gelebt hat. Möglicherweise hat die Milderung des Gewaltgrades zusätzlich dazu beigetragen das Publikum fernzuhalten. Die Unrated-Blu-ray war schon vor Filmstart angekündigt worden, für viele alte Fans ein Grund auf den Kinobesuch zu verzichten und auf diese zu warten. Wie auch immer, ich gehe trotzdem hin. In die deutsche Version. In die Kindervorstellung. Angesoffen. Warum ich das tue, obwohl ich im Vorhinein schon mäkele? In einem Wort: Nibelungentreue. Wenn ein Schwarzenegger-Film läuft, gehe ich rein. Ich habe sogar „Junior“ und „Batman & Robin“ im Kino geguckt. Bis ganz zu Ende! Und so werde ich mich auch heute Abend in den Saal schleppen und das Beste hoffen. Schlimmer als „Sabotage“ kann es ja nicht werden. Hoffentlich.

Einiges los in der Welt des Gamings

(Anmerkung: Dieser Text beruht auf wahren Gegebenheiten. Die Fakten wurden absichtlich verkürzt / verdreht / falsch wiedergegeben bzw. interpretiert oder erlogen. Bitte keine Kritik!)


 

Derzeit ist wieder einiges los in der Welt des Gamings. Phil Fish reaktiviert seinen Twitteraccount, um in die Proteste über die Vorgänge in Ferguson einzustimmen. Manche freuen sich, manche nicht, wieder andere fragen ihn wann Fez 2 kommt. Nachdem die Berichterstattung aus Ferguson brutal unterdrückt wird, bleibt Fish auf Twitter aktiv und widmet sich dem Fall Zoe Quinn. Dieser wird vorgeworfen positive Reviews ihrer Spiele mit Sex erkauft zu haben. Trotz nicht vorhandener Beweise erhitzt das Thema die Gemüter. Manche sind schockiert wie hier ein menschliches Wesen für nichts diffamiert und durch den Dreck gezogen wird, manche bezeichnen Quinn als Schlampe, die das Gaming zerstören will, wieder andere fragen Phil Fish wann Fez 2 kommt. Alles eskaliert irgendwie, der Begriff „Social Justice Warrior“ (SJW) wird durch die Gegend gefeuert, ich lese ihn zum ersten Mal und bin erstaunt. Viele Pro-Quinns sind sehr traurig und heulen fortwährend, der Untergang des Gamings stehe bevor, die Asozialen hätten alles zerstört. Viele der Anti-Quinns verhalten sich weiterhin wie dumme, frauenfeindliche Affen und heulen fortwährend, der Untergang des Gamings stehe bevor, die SJWs / Fotzen / Schwuchteln hätten alles zerstört. Während dieses Feuerwerks melodramatischer Amirethorik werden plötzlich die Twitter-Accounts von Phil Fish und Polytron nebst Firmenwebsite gehacked und vertrauliche Informationen im Netz verbreitet. Fish kündigt desillusioniert an Polytron zu verkaufen und löscht seinen Account. Manche sind bestürzt, manche feiern, wieder andere fragen sich ob Fez 2 jetzt überhaupt noch kommt. In den folgenden Tagen ist eine Menge los im Internet, alle schreien, Twitterititter implodiert. Fast. Ich sitze zuhause und gucke wie ein Auto. „Das sind doch nur Videospiele“, denke ich und „Sind die doof?“ Ich kann es mir nicht erklären. Und der Gefahr vorzubeugen mit einem Bodyslam in irgendwelche Fettnäpfchen zu knallen und von der einen oder anderen Seite in der Luft zerfetzt zu werden, halte ich mich zurück. Obwohl ich mich selbst definitiv und unverrückbar als Feministen bezeichne und mir der latente bis unverhohlene Rassismus und Sexismus in der Gaming-Szene ganz schön auf die Eier gehen. Jetzt ist es raus, bitte tötet / liebt mich nicht.

Die allenthalben aus den Ritzen des Internet quellenden Aggressionen verleiden mir den Umgang mit demselben ein wenig. Ich lasse mich ungern von der Seite anmachen, sei es in Kommentarbereichen oder im Teamspeak, deshalb meide ich beides weitgehend. Diese Abneigung mit Inbrunst vertretener Doofmannmeinungen gegenüber ist auch einer der vielen Gründe, die mich davon abhalten online zu spielen. Das höchste der Gefühle sind Coop-Partien mit meinen Freunden, von denen mich selten einer als Arschloch / Schwuchtel / Pimmelfrau beschimpft oder mir schildert, auf welche Arten und Weisen er Geschlechtsverkehr mit meiner armen Frau Mutter zu vollziehen gedenkt. Und wenn es doch passiert, dann ist es lieb gemeint und ich kann damit umgehen. Ich bin alt und verknöchert und in einer Zeit aufgewachsen, in der das Internet erstmal gar nicht existierte. Als es sich gefallen ließ dann doch plötzlich auf der Bildfläche zu erscheinen, war es ein mysteriöser, wirrer Ort, der einen eher abschreckte als anzog. Jedoch hieß es, dass dort irgendwo Pornobilder zu finden seien, was das Interesse und den Ehrgeiz vieler Menschen anfachte, sich da doch mal irgendwie durchzuwurschteln. Dass es möglich war über eine LAN-Verbindung gegen- und miteinander zu spielen, war mir schon früh zumindest theoretisch klar. Als es dann plötzlich auch der Multiplayer über das Internet populär wurde, saß ich vermutlich mit einem Controller in der Hand auf dem Sofa und guckte skeptisch. Mit der PS2 hatte ich dann selbst eine Konsole, die zumindest die Möglichkeit besaß ans Internet angeschlossen zu werden, probierte dieses jedoch niemals aus. Am PC war ich selbstverständlich online, spielte mit dem Aparillo aber nicht. Erst mit XBOX 360 und PS3 gelang mir die Verknüpfung von Gaming und Internet. Und während der kompetitive Online-Multiplayer mich schon damals abschreckte, genoss ich die anderen Vorzüge, die die Netzanbindung mit sich brachte. Spiele und Patches herunterladen, mit Freunden vernetzen etc., alles ganz prima. Wie sehr ich mich davon habe einlullen lassen, wurde mir jedoch erst heute bewusst.

Den vor einigen Jahren erfolgten PSN-Hack erlebte ich noch offline. Zwar besaß ich schon eine PS3, hatte diese jedoch noch nicht ans Netz geklemmt, weshalb mich der Ausfall des PSNs zwar erstaunte, aber nicht sonderlich tangierte. Der heutige Ausfall aufgrund einer Pimmelattacke trifft und ärgert mich jedoch sehr. Kein Diablo-Online-Coop, keine Nachrichten versenden, kein Trophäen-Schwanzvergleich… Und das am Sonntag, an dem ich mal richtig Zeit für diesen Firlefanz habe. Morgen geht bestimmt wieder alles, da sitze ich aber bei der Arbeit und habe nichts davon, verdammt! Am meisten ärgert mich an der Sache aber nicht der Ausfall selbst, sondern mein diesbezüglicher Ärger. Ich bin noch analog aufgewachsen, hatte nur drei Fernsehprogramme, habe an Telefonwählscheiben gedreht und verwurschtelte Kassettenbänder wieder glattgezogen. Bei verknödelten Audiocassetten vermochte ich mir noch selbst zu helfen, aber meine Playstation hat nicht mal eine Öffnung die groß genug ist, um da mit einem Bleistift drin herumzuprokeln! Und selbst wenn, es nützte alles nichts. Hier gibt es kein Band, das ich wieder aufdrehen kann, keinen Kontakt über den es sich nochmal drüberzulöten lohnt. Irgendjemand hat entschieden, dass ich am Sonntag nicht mit meiner Konsole online gehen darf und deshalb kann ich das nicht. Dieser Jemand ist nicht Mutti, er sitzt nicht Nebenan oder in Berlin oder in Brüssel. Vermutlich sitzt er nicht einmal auf diesem Kontinent. Aber er hat so entschieden und ich muss mich dieser Entscheidung beugen. Und das, meine Damen und Herren, ist hier der eigentliche Skandal. Und sobald ich diese Zeilen fertig getippt habe, fahre ich meinen Computer herunter und da ich vor Langeweile nicht weiß wohin mit mir, rufe ich Phil Fish an und erkundige mich, wie das jetzt eigentlich mit Fez 2 aussieht.

Blog oder die Abwesenheit von Blog

Seit Monaten erfolgte kein Eintrag in dieses Blog. Ich bin mir nicht sicher ob es überhaupt von jemandem gelesen wird. Abgesehen von den Leuten, die ich dazu ermuntere bzw. zwinge. Mein ursprünglicher Vorsatz lautete, alle zwei bis drei Wochen einen neuen Eintrag zu veröffentlichen. Denn ein eherner Blog-Grundsatz lautet: „Steter Tropfen höhlt des Blog-Lesers Hirn.“ Ja, ich bin mir sicher, exakt so lautet dieser Grundsatz. Tradiert seit Äonen, weitergegeben von Blogger-Generation zu Blogger-Generation. Quer durch das Universum.


 

Zwar bin ich ein Freund von Grundsätzen, jedoch zugleich unfähig mich an diese zu halten. Dementsprechend lag zwischen meinen ersten Einträgen bereits ein Monat, der dritte erfolgt erst jetzt. Nach rund zweieinhalb Monaten, meine Fresse! Wie kam es aber dazu? Überraschend erhielt ich die Möglichkeit auf polyneux.de, einem sehr guten Gaming-Blog zu veröffentlichen. Daraufhin stellte ich die Arbeit an meiner eigenen Seite vollständig ein. Ich tat dies nicht mit Vorsatz, andere Dinge waren schlicht wichtiger als das Verfassen von Texten für eine Plattform, die sich ohnehin noch nicht hatte etablieren können. Nachdem ich nun meine Angelegenheiten sortiert und meinen Alltag strukturiert habe, möchte ich einen neuen Anlauf wagen. Da ich mir nicht sicher bin, ob es mir diesmal besser gelingt meine selbstgesetzten Fristen zu wahren, habe ich mir den über diesen Zeilen prangenden Titel von Max Goldt geklaut. Er soll zum Ausdruck bringen, dass ich mein Bestes gebe. Ob es reichen wird, weiß ich nicht. Da ich mich über das Thema Videospiele in meinen Beiträgen auf dem enorm guten Videospieleblog polyneux.de schon intensiv auslasse, werde ich es hier vielleicht ein wenig stiefmütterlicher behandeln. Möglicherweise schreibe ich mal eine Kurzgeschichte oder einen Fortsetzungsroman voller Romantik und Sülze. Wer weiß? Gedichte werde ich keine verfassen, denn wenn ich das tue, kommen Werke wie das folgende dabei heraus:

 

 

‚Thema verfehlt‘

 

Kreativität gefordert

Nicht zu viel, folge der Norm!

Wieder nur `ne vier im Aufsatz

Zur Beruhigung Cola-Korn

 

Schrecklich. Ganz, ganz schrecklich. Ich hoffe also, dass mir andere schöne Dinge einfallen, die zur Veröffentlichung taugen. Am Ende werden es dann ja doch wieder überwiegend Videospielklamotten, man kennt das. Momentan könnte ich zum Beispiel einen Text über Ni No Kuni schreiben, von dem ich mir viel versprochen hatte, welches ich jedoch aufgrund der brechreizerregenden Holzhammerniedlichkeit der (englischen) Texte und der unglaublich schlimmen Random Encounters nach einigen Stunden abbrechen musste. Oder etwas zu Kingdoms of Amalur: Reckoning, von dem ich bis jetzt nur den halben Vorspann angeguckt habe, da mich dieser mit seiner Belanglosigkeit bereits an den Rand einer katatonischen Starre gebracht hat, dem ich aber trotzdem eine weitere Chance geben werde, da ich wissen möchte wie gut oder schlecht dieses Spiel ist, das den für eine erfolgreiche Vermarktung wohl am unfassbar schlechtesten gewählten Titel trägt, den man sich nur vorstellen kann. Was da auch kommen mag, ich werde in jedem Fall versuchen mich kurz zu fassen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich den von mir anvisierten zweiwöchentlichen Rhythmus einhalten kann. Dementsprechend endet dieser Eintrag hier. Schließen möchte ich mit einer Scherzfrage:

 

 

Was ist klein, pelzig und qualmt?

 

Ein Kaminchen.

 

Danke für die Aufmerksamkeit. Bis die Tage.

Tomb Raider – Nakatomi Island

Mit den Worten „Das Morden gucke ich mir nicht an“ verließ meine Freundin das Zimmer. Und das, obwohl im Spiel strahlender Sonnenschein herrschte und ich lediglich ein paar Bösewichten Pfeile in ihre Köpfe geschossen hatte. Deutlich Schlimmeres war bereits und würde noch geschehen.


 

„Bumm! Peng! Nochmals Bumm!“ schrieb im März 2013 niemand zur Veröffentlichung von Tomb Raider. Gepasst hätte es allemal, denn in diesem Spiel fliegen viele Dinge in die Luft. Der Reboot der angestaubten Serie wurde allenthalben positiv aufgenommen (siehe Metascore) und hat sich manierlich verkauft (siehe Verkaufszahlen). Den ersten Tomb Raider-Teil (1996) spielte ich damals am PC ca. fünf Minuten. Und das nur wegen des Nacktpatches, welcher selbst einen Siebzehnjährigen nicht nachhaltig hatte beeindrucken können. Irgendein anderer Teil für die PS3 langweilte mich derart, dass ich mich selbst seines Namens nicht mehr erinnere. Die Veröffentlichung des Reboots für PS3 und XBOX360 im März 2013 ließ mich dementsprechend kalt. Erst der eklatante Spielemangel auf der PS4 trieb mich dazu die im Januar 2014 erschienene Definitive Edition zu kaufen.

 

John McClane versteckt sich unter einem Tisch und sagt „Mama“.

Bereits Monate vor Veröffentlichung hatte ich Teaser-Bilder gesehen. Sie zeigten die Protagonistin Lara Croft vor einem grauen Matschhintergrund kniend, angetan in ein abgeranztes, blutbeflecktes Unterhemd. „John McClane!“ schrie ich sofort. Und die anderen Zugpassagiere glotzten blöd. Der Look der neuen Lara Croft erinnerte mich frappierend an den der Hauptfigur in Die Hard. Tatsächlich hatte Eidos sich entschieden nicht nur die Serie als solche, sondern auch ihre Hauptdarstellerin zu verjüngen. Eine nur knapp volljährige Lara Croft wird unversehens in ein Abenteuer geworfen, dessen sie sich erst als gewachsen erweisen muss. Dabei wird sie beschossen, verprügelt und von Metallteilen durchbohrt. Eben alles was für ein coming of age-Drama nötig ist. Während sie in den vorangegangenen Teilen unbeeindruckt durch die Katakomben zieht, ist Lara Croft hier ein verletzliches, zartes Wesen, das sich in eine Welt verirrt hat, deren Brutalität sie schockiert und überfordert. Eine Welt in der sie hilflos ist, schlimm hinfällt und durch die Matsche schlittert oder von geisteskranken Inselbewohnern drangsaliert wird. Das alles nimmt sie zumindest in den ersten Minuten des Spiels sichtbar mit. Nach kurzer Zeit jedoch wird Lara des Bogens habhaft, ihrer ersten Waffe. Und nach einigen Zielübungen auf Wölfe, die entgegen ihrer Natur nicht scheu, sondern angriffslustig sind, darf sie bald auf Menschen schießen. Dies missfällt ihr beim ersten Mal noch, was sie uns durch Stöhnen und Grunzen verdeutlicht. Beim zweiten bis grob geschätzt zehntausendsten Mal geht ihr das Morden schon deutlich flotter von der Hand. Diese Form der Charakterentwicklung hatte bereits in Farcry 3 hervorragend nicht funktioniert. Ähnlich wie in letztgenanntem Titel wächst das Arsenal in Tomb Raider rasch: zum Bogen gesellen sich nacheinander Pistole, Schrotflinte und MG, samt verschiedener Modifikationen und Upgrades. Das Einsammeln von Klimbim und das Abschlachten von Tieren generiert zudem XP, die zum Freischalten von Perks eingesetzt werden kann, die Lara wiederum zu einer effektiveren Tötungsmaschine werden lassen.

 

In your fucking face!

Leider habe ich die von mir in Tomb Raider eliminierten NPCs nicht gezählt, aber es waren definitiv sehr, sehr viele. Lara Crofts Entwicklung vom Schulmädchen zur Abenteuerarchäologenterminatrix verläuft rasant, ihre Unerfahrenheit und Schwäche drückt sich im Verlauf des Spieles lediglich durch oben genanntes Stöhnen und Grunzen aus, das sie zuweilen von sich gibt. Gelegentlich ruft sie auch „Nonononono…“, wie ihr Stiefzwilling Nathan Drake. Den Großteil der Zeit tut Lara jedoch kommentarlos das, was auch Spielern wie mir die meiste Freude bereitet: Töten, töten, töten. Aus diesem Grunde möchte ich sie nur noch „John Croft“ nennen. Denn alle großen Actionhelden heißen John: John Matrix, John Rambo, John McClane, John Terminator etc. John Croft mäht alles nieder, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Und ich möchte schwören, dass ich auch den ein- oder anderen Gegner aus einer Baumkrone geballert habe. Wenn sie nicht unbarmherzig tötet, fällt John Croft irgendwelche Brücken, Abhänge, Böschungen, Wasserfälle, Stiegen, Klippen, Leitern, Dächer, etc. hinunter und gibt dabei Laute von sich. Leider läuft sie nicht barfuß durch Scherben und trägt auch keinen zurückweichenden Haaransatz, das wäre vermutlich zu viel Die Hard gewesen. Gelegentlich erforscht John eine Tomb (Grabstätte / Gruft). Obwohl ebendiese Tombs namensgebend für die ganze Spielreihe sind, gibt es sie in Tomb Raider nur selten. Sie sind klein, stellen keine Herausforderung dar und werden durch Gebimmel angekündigt. Zudem sind sie optional, wenn man möchte kann man sie im Open Schlauch links liegen lassen und weiter morden. Zur Geschichte tragen sie nichts bei, was nicht störend auffällt, da auch die Geschichte des Spiels selbst wenig zur Geschichte des Spiels beiträgt.

 

Fehlkurs in Geschichte

Die Geschichte von Tomb Raider ist eine Geschichte bar jeden Missverständnisses, denn sie ist eine jener Geschichten, die schlicht und schlecht zugleich sind. Zudem habe ich jetzt so häufig nacheinander das Wort „Geschichte“ benutzt, dass es lustig ist darauf hinzuweisen, dass ich sehr oft das Wort „Geschichte“ benutzt habe. Eine Selbstreferenz innerhalb einer Selbstreferenz. Da habt ihr es! Ähnliches dachte sich vermutlich auch Rihanna Pratchett, als sie den Auftrag bekam die Geschichte für Tomb Raider zu schreiben. Nichts ist plausibel, alles ist Quatsch. Glücklicherweise bleibt nicht viel Zeit über den Sinn oder Unsinn der Geschichte nachzudenken, denn sobald ich damit anfange, explodiert mit ziemlicher Sicherheit etwas oder John knallt volle Pulle einen Abhang hinunter. Frau Pratchett steht in dem Ruf gut schreiben zu können, ob das zutrifft, ist mir unbekannt. Möglicherweise hat Eidos sie gezwungen ein solches Machwerk hinzuklatschen, möglicherweise hat Eidos auch eine eigentlich gute Ursprungsversion der Geschichte zurechtgestutzt und versaut. Möglicherweise war es Frau Pratchett auch einfach egal, da sie sich der Illusion, man könne in einem AAA-Spiel wirklich etwas erzählen und nicht nur Doofmänner herumlaufen lassen, ohnehin nicht hingibt und zudem ganz gerne Geld verdient. Ich weiß es nicht und werde aus dem gleichen Grund nicht herausfinden, aus dem ich hier auch keine Details der Geschichte wiedergebe: Es lohnt sich nicht.

 

Ohne Spaß kein Fun

Trotz der doofen, blöden Geschichte hat mich Tomb Raider sehr gut unterhalten. Das liegt überwiegend daran, dass ich ein Freund des 80er-Jahre-Action-Kinos und der Uncharted-Reihe bin. Aus beiden Töpfen bedient sich das Spiel ungeniert, was man im Falle von Uncharted nicht einmal kritisieren kann, da diese Spielreihe selbst vom Erbe der alten Tomb Raiders zehrt. Es ist sehr vergnüglich sich durch das hübsche Inselpanorama zu ballern, sämtliche dort vorhandene Lebewesen, Strukturen und Untote (?) auszulöschen und gelegentlich von einer Stromschnelle mitgerissen zu werden. Der bereits angekündigten Fortsetzung sehe ich mit Freuden entgegen. Meinetwegen kann die Geschichte hier so schwach wie im Vorgänger sein, solange die Taktzahl stimmt und es sich ebenfalls so flüssig und locker spielt. Gerne können auch die Dinosaurier wiederkommen, die es in den alten Teilen gab. Oder gleich der Yeti oder Urmel aus dem Eis, ganz egal. Hauptsache man stellt mir ein Arsenal zur Verfügung, mit dem ich sie, ihre Häuser, ihre nahen Verwandten und ihre Vorfahren pulverisieren kann. Dann bin ich glücklich.

 

The Need for Meat – Scheißals

The Need for Speed – Rivals ist ein Autorennspiel für PC, XBOX360, XBOX ONE, PS3 und PS4. Im folgenden Text lege ich dar, warum es mir nicht gefällt. Viel Vergnügen.


Schlechter Titel, töfter Artikel

Ich möchte ja gar nicht zu mosern anfangen, aber das Spieleangebot auf der PS4 ist gute sechs Monate nach dem Launch noch dürftig. Zwar tröpfeln beständig Arcade-Titel in den PSN-Store, doch die Ausbeute an großen Titeln ist, wie im ersten Jahr nach einem Konsolen-Launch üblich, mager. Dementsprechend bin ich in puncto Spielauswahl weniger kritisch als gewöhnlich und nehme annähernd alles mit, was der Markt hergibt. Nur annähernd, da ich militaristische Scheiße wie Call of Duty oder Battlefield aus Prinzip links liegen lasse. Spielerisch sind beide Titel bestimmt ganz große Perlen, das Setting und die brutale Ernsthaftigkeit, mit der in selbigem agiert wird, treiben mir allerdings die Kotze hoch. Ich kann das einfach nicht spielen. Jedoch bin ich mir sicher, dass jene, die ihre Freude an CoD und BF haben, ebenso wertvolle Individuen sind wie jene, die es nicht tun. Kein Grund für Animositäten also. Und mit dem Mosern werde ich auch nicht anfangen.

Früher war alles Zukunftsmusik

Trotz meiner liberalen Einstellung den Freunden virtueller Kriegsführung gegenüber muss ich einräumen, dass meine letzte Aussage eine dreiste Lüge darstellt: Ich möchte sehr wohl mosern. Nicht jedoch über das magere Launch-Lineup der PS4. Auch nicht über irgendwelche Ballerspiele, die gucke ich mir ja erst gar nicht an. Ebenso wenig über Assassin’s Creed 4: Black Flag. Das habe ich mir zwar angeguckt, wenn ich versuche mich darüber aufzuregen, gelingt mir das allerdings nicht, da es so erschreckend belanglos ist. Gegenstand meiner Moserei ist das bisher einzig verfügbare Rennspiel für die PS4, Need for Speed – Rivals. Begonnen habe ich mit dieser Spielserie damals auf dem PC. Mit Need for Speed 2 (1997/98) habe ich manche vergnügliche Stunde verbracht und auch diverse Nachfolger spielte ich mit Genuss. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir NfS – Underground auf der PS2 (2003). Einerseits, weil es schlicht unmöglich war sein Auto optisch so zu tunen, dass es hinterher nicht abgrundtief hässlich aussah. Zum anderen, da es der letzte Teil der Serie ist, den ich angefasst habe. Auf PS3 und Xbox360 spielte ich lediglich kurz Gran Turismo 5 und Forza Horizon. Das Rennspielgenre übt auf mich seit einigen Jahren keinen Reiz mehr aus. seit Lotus Esprit Turbo Challenge (1990) hat sich da einfach nichts Nennenswertes mehr getan. Doch aufgrund meiner Lust die neue Konsole auch mal für Titel zu nutzen, die ich nicht schon vor zwei Jahren auf dem PC gespielt habe oder wie Master System-Ports aussehen, kaufte ich mir Need for Speed – Rivals. „Alte Liebe rostet nicht“, weiß der Volksmund. Doch der Volksmund hat offenkundig keine Ahnung, meine Liebe zu NfS scheint sich jedenfalls in Abneigung verwandet zu haben. Unter Umständen stellen meine positiven Erinnerungen an die alten NfS-Teile schlicht eine Romantisierung der Vergangenheit dar oder die Gerüchte sind wahr, und früher war tatsächlich alles besser. (Vgl. http://seniorgamer.wordpress.com/) Vielleicht bin ich zu alt und zu langsam oder befand mich generell in schlechter Stimmung. Möglicherweise ist das Spiel auch einfach Mist.

 

Aller Anfang nervt schwer

Meine erste Begegnung mit Need for Speed – Rivals: Ich starte das Spiel und darf mich gleich zu Beginn für eine Karriere als Cop oder als Racer entscheiden. Überrascht ob der Tatsache, dass diese Wahl nicht durch ein langes Leben voller Aufs und Abs, positiver und negativer Erfahrungen oder auch nur irgendeiner Form von Fahrsicherheitstraining getroffen werden soll und obwohl mir im echten Leben keine der zur Auswahl stehenden Gruppen besonders sympathisch ist, entscheide ich mich für Möglichkeit zwei, den Raser. Denn irgendwie ist die Rolle des Polizisten in diesem Fall noch doofer, als die des per se ebenfalls ziemlich doofen Racers. In freudiger Erwartung meines neuen, virtuellen Lebens als gut betuchter Gesetzloser starte ich nun in das Tutorial. Nicht jedoch ohne zuvor ein kurzes Intro anzusehen und vor allem zu -hören. In diesem wird nochmals deutlich darauf hingewiesen, in welchem Verhältnis Cops und Racer zueinander stehen: Sie sind Rivalen. „Warum überhaupt ein Tutorial?“, werden manche jetzt fragen. „Vorwärts fahren, lenken, wenn einer kommt, ganz schnell wegfahren; das sollte auch ohne Anleitung zu schaffen sein.“ Ist es auch, allerdings bietet das Tutorial der extrem cool sprechenden Sprecherin die Gelegenheit, noch einige extrem cool gesprochene Sätze zum Tunen, zum Punktesammeln und zum besagten Ganz-Schnell-Wegfahren rauszulassen. Ob das in der deutschen Version auch so extremst cool klingt, kann ich leider nicht beurteilen. Ich habe nämlich wie üblich auf Englisch gespielt, da ich ein O-Ton-Hipster und ein auch sonst total geiles Schwein bin. Da es übrigens unmöglich ist das Intro- / Tutorial-Gesülze zu skippen oder auch nur zu beschleunigen, fräst sich die Coolness so richtig schön ins Hirn. Danke EA. Obwohl ich mich bereits zu Beginn für die Raser-Karriere entschieden habe, muss ich den Polizistenteil ebenfalls ausprobieren. Die Cops können ihre Antagonisten selbstverständlich verhaften, was durch fortgesetztes von der Straße rammen geschieht. Das ist einerseits ziemlich fragwürdig, andererseits auch wenig unterhaltsam und ich freue mich, dass es flott vorbei ist. Das Spiel wechselt nun wieder in die Garagenansicht, in der ich Stats und Missionsziele angucken sowie mein Auto tunen, lackieren usw. darf.

 

Tiere suchen ein zu Hause

Bevor ich nun endlich mein Leben als Outlaw auf den Straßen von Dingsbums Creek (oder so) genießen kann, erklärt mir der männliche Erzähler, was es als erstes zu tun gilt. Er tut dies betont gelangweilt, jedoch voller unterschwelliger Aggression, wie die Grunge-Bands der 90er. Worum es genau geht, verstehe ich nicht, da die Worte vom beständigen Winseln eines Hundes übertönt werden. Interessant! Läuft in der virtuellen Garage etwa ein ebenfalls virtueller Hund herum? Eine von der Straße aufgelesene Promenadenmischung etwa, dreibeinig und einäugig? Bei einem der illegalen Straßenrennen schwer verwundet, von unserem angeödeten Aggro-Grunge-Erzähler in den safe haven der Garage verbracht, dort gepflegt und wieder aufgepäppelt? Ein Versuch der Entwickler, der harten und technisierten Welt der Straßenrennfahrer eine menschliche Komponente – ausgerechnet in Form eines Hundes! – hinzuzufügen, gritty und caring zugleich? Mitnichten. Wie ich kurze Zeit später herausfinde, ist das Teamspeak standardmäßig offen und irgendein kranker Hirni hat seinem Hund offenbar das Headset aufgesetzt oder ihn mit Panzerband an die Kamera der Playstation geklebt. Jedenfalls winselt es noch für Minuten aus meinen Boxen, bis ich in der Garagenansicht herausfinde, wie der Voicechat deaktiviert wird. In der offenen Welt von Dingens Creek (oder so) war dieses in Ermangelung eines Pausenmodus leider unmöglich. NfS – Rivals ist als Racing-MMO angelegt, wer pausiert verliert, Ruhe gibt es nur in der Garage. Sollte ein Halt auf der Strecke eingelegt werden, besteht die Chance, dass ein Polizist oder ein Mitspieler (oder beides in Personalunion) vorbeikommt und den eigenen Wagen ins Nirwana rammt. So geschieht es auch, dass ich während der nächsten Challenge, die ich zu bestreiten zu versuche, von einem menschlichen (?) Spieler namens Warrior_irgendwas, der als Cop spielt und ein deutlich besseres Auto fährt als ich, eiskalt von der Straße bzw. in tausend Teile geballert werde. Challenge verpatzt, Neustart in der Garage, alle Punkte weg. Vorsorglich lasse ich mich ans andere Ende der Karte versetzen um dort ungestört ein bisschen zu üben. Daraus wird allerdings nichts, da mir die Polizei plötzlich wieder auf den Fersen ist, diesmal handelt es sich um NPCs. Ich weiß nicht was ich verbrochen habe, vielleicht sitzt der männliche Erzähler auf dem Beifahrersitz und wirft den Cops Ödnis-Aggro-Blicke zu. Mir gelingt es die Verfolger abzuschütteln, nur um im Anschluss wieder von Warrior_irgendwas entdeckt und in Sekundenschnelle pulverisiert zu werden. Hat der es etwa auf mich abgesehen? Ich habe nicht vor, das herauszufinden und beende das Spiel. Nach einem Neustart befinden sich andere menschliche Spieler auf der Karte, keiner spielt einen Polizisten. Den Voicechat aktiviere ich nicht, wer weiß was für Haustiere die besitzen. In der Garagenansicht sehe ich, dass ich ein Time Trial erfolgreich abschließen muss um vorwärts zu kommen. Nach ein bisschen Gurkerei finde ich heraus, dass mein GPS mich direkt an dessen Startpunkt führt. Das von mir so großkotzig ignorierte Tutorial hatte scheinbar doch einige wichtige Informationen zu bieten. Sei’s drum. Obwohl ich mit meinem Porsche gelegentlich an der Leitplanke entlangschleime, schlage ich mich ganz passabel, bis mich unversehens ein (un)menschlichen Spieler von der Fahrbahn drängt. Dieser hat offenbar flugs von Racer auf Cop gewechselt, nur um mich noch schneller als der gottverfluchte Warrior_irgendwas in den Boden zu stampfen.

 

Von der Garage in den Autoschuppen

Erneut beende ich das Spiel und überlege kurz, ob ich nicht doch lieber eine Runde Don’t Starve oder Fez einlegen soll. Ich entscheide mich für den Free To Play-Titel War Thunder, revidiere diese Entscheidung ob des grauenhaften Militarismus’ (s.o.) bereits während des Ladevorgangs wieder und ergoogele mir mit meinem Smartphone, wie ich den tödlich ätzenden Onlinemodus von NfS – Rivals deaktivieren kann. Ich verlasse die Garage, befinde mich wieder auf der Straße, umgeben von NPCs, sicher vor anderen Spielern, die mich fertig machen wollen. Endlich werde ich in Ruhe ein paar Runden drehen, Challenges bezwingen, mein Auto tunen und mich schließlich auf brutale Weise an den Warrior_irgendwasses dieser Welt rächen können. Statt des Time Trials starte ich eine Interception, da diese näher an meinem Startpunkt liegt. Ich habe keine Ahnung was das sein soll, finde es aber rasch heraus. Mit einem Affenzahn prescht ein Polizeiwagen aus dem Gebüsch und ich muss ihn abschütteln. Da ich gelegentlich in die Leitplanke und andere Streckenbegrenzungen donnere, wird aus diesem Unterfangen nichts. Meine Fahrzeugpanzerung ist ähnlich mangelhaft wie meine Fahrskills und ich lande nach einem Totalschaden erneut in der Garage. Ohne Punkte. Ich wage mich wieder aus meinem Unterschlupf und nehme mir vor direkt zum Time Trial zu fahren, um diesen endlich abzuschließen. Ich brauche jetzt dringend ein Erfolgserlebnis. Schon auf dem Weg zum Startpunkt errege ich die Aufmerksamkeit der Polizei, nicht wissend wie mir das wieder gelungen ist. Ich versuche sie abzuschütteln, ein blauer Balken erscheint auf dem Bildschirm. Vermutlich informiert er mich über Erfolg oder Misserfolg meiner Flucht, ich verstehe ihn jedoch nicht. Im Polizeifunk bin ich das einzige Thema, aus einem Verfolger sind inzwischen drei oder vier geworden, lächerlich flache Sportwagen mit Polizeisirenen. Nach jedem heftigeren Zusammenstoß fährt die Kamera aus schrägem Winkel auf meinen Wagen zu, während Teile von ihm abfallen und er von den Einsatzfahrzeugen umschwärmt wird. Trotz diverser Kontakte mit der Leiplanke halte ich einige Minuten durch und wähne mich schon in Sicherheit, bis plötzlich ein Polizeihubschrauber am Himmel erscheint, die Verfolger wieder aufschließen und ich von Irgendwem oder -etwas eingeloggt werde. EMP Warning! Oder so. Es blitzt, es knallt, es raucht. Ich befinde mich wieder in der Garage. Keine Punkte. Nach einer Stunde NfS – Rivals schalte ich die Playstation aus, fahre den PC hoch und starte Word.

 

Das Fazit

“Need for Speed: Rivals” bereitet mir in etwa so viel Vergnügen wie ein Haufen Hundekacke auf meiner Fußmatte.

 

Ps.: Die Grafik ist übrigens ziemlich prima, denke ich. Wenn jemand dem Spiel dafür eine hohe Prozentwertung verleihen möchte, so möge er diese bitte in folgende Lücke eintragen, die ich zu diesem Zwecke explizit zur Verfügung stelle: ____